Urbanes Gärtnern in Allach/Untermenzing –
ein erfolgreiches Pilotprojekt für Begrünung, Bürgerbeteiligung und Integration
Am 23.09.2022 hat die Bürgerinitiative „Urbanes Gärtnern“ die Hochbeete auf dem Oertelplatz in Allach mit bunten Herbstpflanzen neu bepflanzt. Ein großer Dank geht an die Sponsoren Blumen Obeser und Gärtnerei Wagner. Sie haben bei der Aktion mitgeholfen und die Pflanzen gesponsort. Darunter befinden sich zahlreiche insektenfreundliche Herbstblüher – darauf legen die beteiligten Gärtnereien derzeit im Rahmen der Aktion „Herbstlich willkommen“ des Bayerischen Gärtnereiverbands besonders großen Wert.
Die Hochbeete werden von der Allacher Bevölkerung sehr positiv angenommen. Es handelt sich um ein von Bürger:innen ins Leben gerufene und vom Bezirksausschuss gefördertes Pilotprojekt, das immer größere Kreise zieht. Es dient nicht nur der Begrünung einer einstmals trostlosen und grauen Betonfläche, sondern auch dem Bürgerdialog, der Bürgerbeteiligung an der Sauberhaltung dieses öffentlichen Platzes sowie der Integration ausländischer Mitbürger.
Das Allacher Pilotprojekt möchte wachsen. Die Bürgerinitiative freut sich immer über neue Interessenten, die an der Pflege der Pflanzen Freude haben und auf ehrenamtlicher Basis zwanglos mitwirken möchten unter dem Motto „Je mehr Bürger:innen wir sind, umso schöner können wir unseren Stadtteil gestalten.“ Weitere Infos unter: https://urban-gardening-allach.de
Die Bürgerinitiative „Urbanes Gärtnern“ – eine Idee grünen Ursprungs
Die Idee für die Bürgerinitiative „Urbanes Gärtnern“ hatte Frau Dr. Diana Brand, Vorstandssprecherin des Ortsverbandes BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN in einer Sitzung der GRÜNEN. Auf der Bürgerversammlung im Zirkus Krone im Juli 2021 für den Bezirk 23 stellte sie hierzu erfolgreich einen Antrag. Das war die Geburtsstunde der Bürgerinitiative, die unabhängig von Parteizugehörigkeit viele Bürger aus dem Bezirk 23 begeistert und zum Mitwirken bewegt hat. Das Projekt wird vom Bezirksausschuss gefördert und von der Stadt München mit Rat und Tat unterstützt. Nach Überwindung anfänglicher bürokratischer Hürden wurden die 10 Hochbeete im Mai 2022 mit einer Eröffnungsfeier auf dem Oertelplatz aufgestellt. Weitere Beete sind geplant.
Urbanes Gärtnern – ein gut funktionierendes Projekt
An der Pflege der Beete ist ein kleiner Kreis von ehrenamtlichen Helfer:innen beteiligt, die Zusammenarbeit funktioniert gut. Wenn eine Helferin im Urlaub ist, springt eine andere ein. Jede:r hat seine/ihre Arbeitsschwerpunkte und Spezialisierungen in der Zusammenarbeit. Diana Brand ist zuständig für die administrativen Arbeiten, Christoph Tempel von der Firma Tempel Garten- und Landschaftsbau koordiniert auf ebenso ehrenamtliche Art die Pflanzarbeiten und Rut Alker vom BGV die Sponsoren. Eine Patenschaft für zwei Beete wurde von der Mittelschule in Zusammenarbeit mit den Würmrangern übernommen. Diese Beete pflegen die Schüler:innen, hiermit ist ein Bildungsauftrag im Hinblick auf das Biodiversitätskonzept der Stadt München verbunden. Langfristig werden mehr Patenschaften gesucht. Auch die Bäckerei & Konditorei Ludwig Riedmair und das Gastronomieunternehmen Languorino helfen beim Gießen der Beete mit. Das Center Management des EVER’s hat der Bürgerinitiative für 2023 schon seine Unterstützung zugesagt.
Ein Pilotprojekt mit positiven Synergieeffekten
Was als eine kleine Bürgerinitiative für urbanes Gärtnern begann, ist heute ein Projekt mit mehr Zielen und Inhalten. Der Erfolg der Initiative besteht nicht nur in der Freude der Bürger:innen am Gärteln und der Begrünung des öffentlichen Platzes. Auch der Bürgerdialog, das zunehmende Engagement der Bürger:innen im Hinblick auf die Sauberhaltung des Oertelplatzes und die Beteiligung ausländischer Mitbürger:innen sind erwähnenswert.
Mitglieder des Ortsverbands der GRÜNEN haben in den vergangenen Monaten regelmäßig in Fleißarbeit den herumliegenden Müll auf dem Oertelplatz mit Müllgreifern eingesammelt. Denn die Stadt München kommt nicht mehr damit hinterher, die tagtäglich achtlos auf den Platz geworfenen Zigarettenkippen, Kronkorken und Pizzakartons zu entsorgen. Hier ist bürgerliches Engagement gefragt. Das Beispiel der GRÜNEN hat Schule gemacht. Inzwischen beteiligen sich mehr Bürger freiwillig auch an der Aufsammlung des Mülls, denn angesichts der Aufwertung des vorher nüchternen und grauen Platzes durch die bunten Beete fällt der Kontrast zu dem tagtäglich herumliegenden und hässlichen Müll auf dem Oertelplatz besonders auf.
Die Bürgerinitiative für urbanes Gärtnern konnte auch ausländische Mitbürger:innen zum Mithelfen gewinnen. Dies ist eine Win-Win-Situation, denn im Gegenzug unterstützen Mitglieder des Ortsverbands der GRÜNEN einzelne Bürger:innen mit Migrationshintergrund ehrenamtlich bei Fragen der Integration.
Die ungelöste Bewässerungsfrage verhindert nicht den Erfolg des Pilotprojekts
Obwohl die Pflege der Hochbeete durch die Bürgerinitiative reibungslos funktioniert, ist die Bewässerungsfrage noch immer ungelöst. Das Gartenbauamt hat keine Zeit und keine Kapazitäten, um die Beete zusätzlich zu den auf dem Oertelplatz stehenden Platanen zu bewässern. Um die Beete regelmäßig zu gießen, hat die Bürgerinitiative deswegen einen attraktiven, mit Holz verkleideten Wassercontainer aufgestellt, der regelmäßig aus einem mobilen Hydranten mit Wasser aufgefüllt wird, so wie dies bei derartigen urbanen Gärtnern Projekten auch in anderen Münchner Stadtteilen üblich ist. Laut KVR ist die Aufstellung eines Wassercontainers auf öffentlichem Grund aber illegal. In unmittelbarer Nähe gibt es jedoch keinen geeigneten privaten Grund.
Die Bürgerinitiative hofft auf Verständnis und Unterstützung seitens des Gartenbauamts, denn eine Fortsetzung des im Sinne der Allacher Bevölkerung umgesetzten Projekts ist ohne Lösung der Bewässerungsfrage nicht möglich. Das KVR arbeitet seit über zwei Monaten an einer Lösung und prüft Alternativmöglichkeiten für die Bewässerung.
Ausblick und Wünsche
Der Ortsverband BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN, ebenso wie die überparteiliche Bürgerinitiative für urbanes Gärtnern in Allach/Untermenzing wünschen sich, dass Projekte wie dieses von Seiten der Behörden noch bessere Unterstützung erhalten. Insbesondere in Zeiten des schnell voranschreitenden Klimawandels, in denen ein schnelles Handeln im Hinblick auf die Erhaltung unserer Natur zählt, sollten alle bürokratischen Hindernisse so schnell wie möglich aus dem Weg geräumt werden. Wenn Bürger Missstände erkennen und mit anpacken wollen, um ihren Beitrag zu einer lebenswerteren Zukunft zu leisten, sollten ihnen seitens der Verwaltung keine Steine in den Weg gelegt werden.
Ähnliche Projekte, wie z.B. das Grünpat:innen Projekt von GreenCity in Zusammenarbeit mit dem Gartenbauamt der Stadt München oder die Renaturierung versiegelter Flächen sowie die Abschaffung von Steingärten könnten ebenfalls im Stadtteil Allach/Untermenzing umgesetzt werden. Der Ortsverband von BÜNDINS 90/DIE GRÜNEN setzt sich hierfür ein. Ein Erfolg ist jedoch nur möglich, wenn der bürokratische Aufwand minimiert wird, um die Bürger:innen nicht von einer Beteiligung abzuschrecken.